26.05.2026
18 Prozent weniger Wohnungen fertiggestellt: HDH fordert Abbau von Bauhürden
Der Wohnungsbau steckt weiter fest. 2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Niedriger war die Zahl zuletzt 2012. Gleichzeitig dauert der Weg von der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung immer länger: Die durchschnittliche Abwicklungsdauer von Neubauwohnungen stieg 2025 auf 27 Monate. Im Jahr 2020 lag sie noch bei 20 Monaten. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert ein entschlossenes und gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern: „Es ist Zeit, die Hemmnisse für das Bauen einzureißen!“, sagt Dr. Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des HDH. Neben steigenden Bauzinsen verteuern politisch gemachte Vorschriften und bürokratische Hürden das Bauen. Der HDH fordert verbindliche Mechanismen, damit bundesweite Musterregelwerke automatisch in Landesrecht überführt werden.
Auch die Baugenehmigungen zeigen, dass das Problem nicht nur am fehlenden politischen Willen zum Bauen liegt. 2025 stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen um 10,6 Prozent auf 238.100. Damit wurden mehr Wohnungen genehmigt als fertiggestellt. Der Bauüberhang blieb mit 760.700 genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen auf Vorjahresniveau. 307.200 dieser Wohnungen befanden sich bereits im Bau. Zusätzlich verfielen 35.700 Baugenehmigungen. Das ist der höchste Wert seit 2002. Damit gehen genehmigte Projekte nicht nur langsamer in die Umsetzung, sondern fallen teilweise ganz aus. Für die Debatte um schnellere Verfahren ist diese Zahl besonders relevant.
Auch die aktuelle Stimmung im Wohnungsbau spricht gegen eine schnelle Erholung. Laut Ifo-Institut sank das Geschäftsklima im Wohnungsbau im April 2026 von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte. Das war der stärkste Rückgang seit April 2022. Das Ifo-Institut verweist vor allem auf deutlich eingetrübte Erwartungen der Unternehmen. Die Schneller-Bauen-Gesetze der Bundesländer lösen das Strukturproblem aus Sicht des HDH nicht. Die Länder bringen eigene Beschleunigungsregeln auf den Weg. Unternehmen, die seriell und bundesweit bauen, treffen damit auf unterschiedliche Anforderungen je nach Bundesland. Ohnesorge nennt das „strukturell das gleiche Problem wie bei den Landesbauordnungen selbst“: Es entsteht ein föderaler Wildwuchs. Der HDH fordert den Bund deshalb auf, koordinierend einzugreifen und gemeinsam mit den Ländern verbindliche Mindeststandards für Beschleunigungsmaßnahmen zu definieren. Unternehmen sollen dadurch verlässlicher planen und serielle Bauweisen einfacher umsetzen können. Beim aktuell im Parlament diskutierten Gebäudetyp E sieht der Verband eine Chance für kostengünstigeres Bauen. Dafür muss der Gesetzgeber die Haftungsrisiken für bauausführende Unternehmen klar und verlässlich regeln. Solange diese Frage offenbleibt, nutzen Unternehmen das vereinfachte Bauen nicht in der Breite. Der HDH fordert deshalb zügig Rechtssicherheit.
Kritik übt der Verband auch an der ausgebliebenen Flexibilisierung der Losbindung bei der öffentlichen Vergabe. Das Vergabebeschleunigungsgesetz hätte den Rahmen bieten können, serielles Bauen durch angepasste Vergaberegeln attraktiver zu machen. „Diese Chance hat die Bundesregierung ungenutzt verstreichen lassen“, sagt Ohnesorge.
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